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Informationspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte (ESG-Berichtspflicht)

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Was man darunter versteht, wen sie betrifft und wie Werber:innen andere Unternehmen bei der Erstellung ihrer Berichte unterstützen können, haben wir für euch kurz zusammengefasst.

Nachhaltigkeit ist mittlerweile in vielen Lebensbereichen angekommen (wie sie auch im Kleinen, insbesondere in der Werbebranche, gelebt werden kann, darüber haben wir ja schon in unserem >> Blogbeitrag << berichtet). Doch wusstet ihr, dass große Unternehmen eine gesetzliche Informationspflicht über ihre Nachhaltigkeitsstrategie trifft?

Was besagt die Informationspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte?

Die „Corporate Sustainability Reporting Directive“ oder auch „Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen“ ist eine EU-Richtlinie, die auch in Österreich Gültigkeit hat. Sie gibt Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung vor und legt fest, inwiefern Unternehmen über Nachhaltigkeitsthemen berichten müssen. Dabei werden Klima- und Umweltauswirkungen eines Unternehmens und seiner Lieferkette beleuchtet, soziale Auswirkungen und Verantwortlichkeiten entlang der Wertschöpfungskette dargestellt, sowie klimabezogene Risiken und finanzielle Unsicherheitsfaktoren offengelegt. Der Nachhaltigkeitsbericht muss außerdem von einer akkreditierten, unabhängigen Prüf- oder Zertifizierungsstelle geprüft werden.

Wen betrifft die Informationspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte?

Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter:innen und einem Nettoumsatz von 40 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von 20 Millionen Euro sind von der Informationspflicht betroffen und müssen regelmäßig ihren Nachhaltigkeitsbericht abliefern.

Welche Auswirkungen hat die Informationspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte auf die Werbebranche?

Zum einen sind auch Werbeunternehmen, die den oben genannten Kriterien entsprechen, dazu verpflichtet, ihren jährlichen Corporate Sustainability Report an die EU abzuliefern. Zum anderen können Mitglieder der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Unternehmen bei der Erstellung ihrer Berichte unterstützen: Neben der grafischen Aufbereitung der Unterlagen ist auch textliches Können gefordert. Texter:innen und Grafiker:innen sind somit gefragt! Denn die Erstellung eines ESG-Reports ist ressourcenintensiv und viele größere Unternehmen lagern derartige Arbeiten gerne an Externe aus.

Vielleicht ja eine Chance, sich auf ein neues Aufgabengebiet zu spezialisieren? Einige Werber:innen haben den Schritt bereits gewagt und bieten ihre Dienste für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten an.

Dazu bedarf es allerdings einiges an Detailwissen in puncto Nachhaltigkeit. Ihr solltet also nicht nur mit den wichtigsten Grundbegriffen und Nachhaltigkeitsschlagwörtern vertraut sein. Um Expert:in in dem Bereich zu werden, könnt ihr jetzt eine Zusatzausbildung zum Certified Sustainability Expert (CSE) starten. Das WIFI Salzburg bietet übrigens einen Diplomlehrgang „CSR, ESG und Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen“ sowie viele weitere Kurse mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt an.

Konkret benötigen Firmen, die die Beitragspflicht betrifft, Unterstützung bei der Datensammlung, Strukturierung und Aufbereitung. Viele nachhaltig denkende Unternehmen präsentieren ihre Nachhaltigkeitsberichte auch gerne in digitaler Form und erstellen dazu eigene Landingpages. Auch dabei kann die Kreativbranche helfen!

Worauf es bei der Erstellung eines ESG-Reports aus Agentursicht ankommt:

Natürlich ist der Inhalt eines Nachhaltigkeitsberichts das Wichtigste. Nichtsdestotrotz ist auch von großer Relevanz, wie der Inhalt dargestellt und in Worte verpackt wird. Deshalb solltet ihr auf folgende Aspekte unbedingt achten:

Visuelle Darstellung

  • Daten mittels Infografiken und Diagrammen visualisieren
  • „cleane“ Gestaltung
  • Auf Corporate Design des Unternehmens achten
  • Barrierefreiheit gewährleisten


Textierung

  • Klar und einfach in der Sprache, leichte Verständlichkeit gewährleisten
  • Struktur hineinbringen (Inhaltsangabe, Kapitel unterteilen, roter Faden)
  • Quellenangaben: Transparenz ist wichtig!


Produktion

  • Auf umweltfreundliche Produktion achten
  • Digitale Version erstellen, wenn möglich mit interaktiven Elementen
  • Mobile first denken und mittels responsive Design eine optimale Darstellung auf unterschiedlichen Endgeräten sicherstellen


Das niederösterreichische Unternehmen „Sonnentor“, das sich dem Gemeinwohl verschrieben hat, widmet dem Thema >> Nachhaltigkeit << einen großen Bereich auf seiner Website und bietet seinen Gemeinwohlbericht (in dem das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls behandelt wird) zum Download an.

Weitere gute Beispiele finden sich bei der Trumer Privatbrauerei, die ebenfalls eine Gemeinwohlbilanz veröffentlicht, sowie bei Die Geschützte Werkstätten – Integrative Betriebe Salzburg GmbH (GWS), bei der Firma Hagleitner Hygiene International GmbH oder bei der Lenzing AG.   

Weiterführende Informationen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung findet ihr auf der >> Website der WKO <<. Darüber hinaus bietet die WKO Informationen zu den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und Geschäftschancen im Kontext der Nachhaltigkeit.

Ein überaus hilfreiches Tool ist das Klimaportal, das euch bei der Erstellung einer Klimabilanz für euer Unternehmen unterstützt.

(c) Naiyana stock.adobe.com