Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sie ist zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal in der Kreativbranche geworden. Wer heute wirksame Werbung gestalten möchte, muss Nachhaltigkeit ganzheitlich denken: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Nicht nur ressourcenschonende Produktionen, auch langfristiges Handeln und Botschaften mit Verantwortung zählen dazu.
Natürlich benötigt Werbung Ressourcen – gleichzeitig bietet die Branche zahlreiche Möglichkeiten, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Recyclingpapier, umweltfreundliche Farben, regionale Druckereien, energieeffiziente digitale Kampagnen oder klimafreundlich organisierte Foto- und Filmproduktionen sind nur einige Beispiele. Viele Agenturen und EPU zeigen vor, dass nachhaltiges Arbeiten oft weniger mit großen Investitionen als vielmehr mit bewussten Entscheidungen zu tun hat.
Nachhaltigkeit in der Werbung geht jedoch weit über ökologische Maßnahmen hinaus. Sie umfasst drei zentrale Bereiche:
- Ökologische Nachhaltigkeit: Ressourcenverbrauch, Energie, Mobilität, Produktion, Kreislaufwirtschaft
- Soziale Nachhaltigkeit: Barrierefreiheit, inklusive Kommunikation, faire Arbeitsbedingungen, Diversität, Datenschutz, verantwortungsvoller KI-Einsatz und gesellschaftlicher Zusammenhalt
- Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: faire Honorare, langfristige Partnerschaften, regionale Wertschöpfung, stabile Geschäftsmodelle und dauerhafte Wirkung statt kurzfristiger Effekte
Nachhaltigkeit muss glaubwürdig sein
Ebenso wichtig wie eine nachhaltige Produktion ist eine ehrliche Kommunikation. Begriffe wie „klimaneutral“, „grün“ oder „umweltfreundlich“ stehen zunehmend unter rechtlicher Beobachtung. Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, sollte konkrete Maßnahmen benennen, nachvollziehbare Nachweise liefern und auf übertriebene Werbeversprechen verzichten. Denn Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Schlagworte, sondern durch nachvollziehbares Handeln.
Unter dem Motto „Kreativ unterwegs zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ bekennt sich auch der Fachverband Werbung und Marktkommunikation zu dieser Verantwortung. Die eigens entwickelten „Klimaschutz kreativ“-Guidelines bieten Unternehmen und Agenturen zahlreiche praxisnahe Anregungen, wie Nachhaltigkeit entlang des gesamten Kommunikationsprozesses mitgedacht werden kann – von der Konzeption bis zur Umsetzung.
Green Claims decken allerdings nur einen Teilbereich der Nachhaltigkeitskommunikation ab, denn sie betreffen in erster Linie umweltbezogene Aussagen. Nachhaltigkeit ist aber umfassender und schließt auch soziale und wirtschaftliche Verantwortung ein. Wie vielfältig dieser Ansatz sein kann, zeigten die Einreichungen zum Sonderpreis „Green Creative“ beim Salzburger Landespreis für Marketing, Kommunikation und Design 2026.
Nachhaltigkeit in der Kommunikation hat mehrere Seiten
Sie beginnt bei ökologisch verantwortungsvollen Produktionen und einem bewussten Umgang mit Ressourcen, umfasst aber ebenso soziale Verantwortung – etwa barrierefreie und inklusive Kommunikation, faire Arbeitsbedingungen, Diversität, Datenschutz und einen verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. Auch die wirtschaftliche Dimension gehört dazu: faire Honorare, langfristige Partnerschaften, regionale Wertschöpfung und Lösungen, die auf dauerhafte Wirkung statt auf kurzfristige Effekte setzen. Nachhaltige Kommunikation betrifft damit nicht nur die Herstellung von Werbung, sondern auch ihre Inhalte und ihre Wirkung auf Menschen und Gesellschaft.
Sonderpreis „Green Creative“ beim Salzburger Landespreis
Wie vielfältig nachhaltige Kommunikation heute sein kann, zeigte auch der Salzburger Landespreis für Marketing, Kommunikation & Design 2026 mit dem Sonderpreis „Green Creative“. Nominiert und ausgezeichnet wurden Projekte, sich inhaltlich mit ökologischer und/oder sozialer Verantwortung auseinandersetzen und in konzeptionell und gestalterisch überzeugende Kommunikation übersetzen.
Den ersten Platz belegte die Kampagne „Anti-Hass-GPT“ der Salić GmbH für die HOSI Salzburg. Das KI-gestützte Tool unterstützt Nutzer_innen dabei, schlagfertig auf Hasskommentare im Internet zu reagieren, und verbindet innovative Technologie mit gesellschaftlicher Verantwortung. Das Projekt zeigt, wie Kommunikation und Kreativität genutzt werden können, um nicht nur ökologische, sondern auch soziale Nachhaltigkeit sichtbar zu machen und einen positiven Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander zu leisten.
„Die Worte „Nachhaltigkeit“ und „Grün“ müssen für vieles herhalten, für allzu vieles, leider, meint Christian Salić. „Uns geht’s darum, Verantwortung zu übernehmen, mitzuhelfen, dass sich die Dinge zum Besseren wenden. Das „Anti-Hass-GTP“ für die HOSI Salzburg ist ein kleiner Beitrag, aber eine große Hilfe für einige. Wir bekommen da wirklich bewegende Zuschriften von Menschen, die sich mit Hasskommentaren herumschlagen müssen. Deshalb freuen wir uns sehr über den „Green Creative“ beim Salzburger Landespreis. Und noch mehr würden wir uns freuen, wenn Hasskommentare im Netz bald kein Thema mehr sind!“
Auch die weiteren nominierten Projekte zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig nachhaltige Kommunikation gedacht werden kann. Die Agentur fibra setzte sich mit dem Projekt „Ende gut!“ für die Biorind und Fleisch EZG GmbH mit dem Thema Tierwohl und einer stressfreien Schlachtung auseinander und machte einen oft wenig beachteten Teil der Lebensmittelproduktion sichtbar.
Die Mehrjungsfrau GmbH zeigte mit „Give this tin a second life“ für Segafredo, wie Kreislaufwirtschaft und Upcycling durch kreative Markenkommunikation erlebbar werden können. Mit dem Projekt „Werden – Identität aus Erde und Energie“ entwickelte Mehrjungsfrau zudem eine Markenwelt rund um nachhaltige Energiegewinnung und den Gedanken geschlossener Kreisläufe.
Die Skyline Medien GmbH verband mit dem Kurzfilm „Glacial Threads – From Forests to Future Textiles“ für die Lenzing AG Storytelling, Innovation und Klimaschutz und machte nachhaltige Lösungen in der Textilbranche sichtbar.
Tipp: Ihr könnt euch alle Projekte im Detail in unserem Kommunikationsarchiv ansehen. Einfach bei den Filtermöglichkeiten die Kategorie „Sonderpreis Green Creative“ und bei „Landespreis“ das Jahr 2026 auswählen. Fotos und Infos zu den Siegerprojekten gibt es >> hier <<.
Nachhaltige Werbung als Frage der Haltung
Auch für Fachgruppenobmann Clemens Jager ist Nachhaltigkeit in der Werbung längst kein Nischenthema mehr. Sie umfasst den gesamten Kommunikationsprozess – von ressourcenschonenden Produktionen über transparente Botschaften bis hin zu kreativen Ideen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. „Die Werbe- und Kommunikationsbranche hat dabei eine besondere Verantwortung: Sie macht Themen sichtbar, prägt Einstellungen und beeinflusst Kaufentscheidungen. Nachhaltige Werbung ist deshalb nicht nur eine Frage der Umsetzung, sondern auch eine Frage der Haltung“, so Jager.
Fachgruppengeschäftsführer Daniel Hauk ist ebenfalls davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit in der Kreativbranche fix verankert sein muss: „Viele Salzburger Agenturen und Kreative zeigen bereits heute, wie innovativ und verantwortungsvoll unsere Branche arbeitet. Dieses Engagement sichtbar zu machen und weiter zu fördern, ist uns als Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation ein besonderes Anliegen.“
Weiterführende Beiträge
Wir haben uns bereits häufiger mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Auf unserem Blog findet ihr weitere Beiträge dazu:
- „Nachhaltigkeit in der Werbebranche – geht denn das?“ beleuchtet, wie nachhaltiges Arbeiten im Agenturalltag gelingen kann. Dazu haben wir Franziska Leitner, Gründerin von Waldgrün Design, befragt.
- „Green Events – von der Firmenfeier zum Mega-Event“ zeigt, wie Veranstaltungen ressourcenschonend geplant und umgesetzt werden können. Nachhaltigkeitsexperten und Projektleiter von „Green Events Salzburg“ Martin Signitzer stand uns dafür Rede und Antwort.
- „Green Claims – die Spielregeln gegen unverschämtes Greenwashing“ gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen und erklärt, worauf Unternehmen bei Umweltversprechen achten sollten. Im Rahmen seines Impulsvortrags gab Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberates, einen Überblick darüber…

Bild: Das Team der Salić GmbH mit Conny Felice (HOSI Salzburg) bei der Preisverleihung im Rahmen der Nacht der Werbung im Februar 2026. ©Wild + Team Fotoagentur GmbH